Borderlands angespielt – grenzwertige “Grenzregionen”…

Borderlands vs Fallout 3
Nach einem stressigen Tag
braucht man auch mal Entspannung, soviel ist klar und daher steht bei mir die XBOX 360 in der Gegend rum. Als XBOX-Jünger muss man sich natürlich auch immer über die neuesten Spiele, Gerüchte und was weiß ich nicht noch rund um’s Konsolengeschehen informieren. Für diese Zwecke gibt’s zum Beispiel www.xboxfront.de.
Hier gab’s nun kürzlich die Meldung, dass sich Randy Pitchford, seines Zeichens CEO des Entwicklers Gearbox Software, darüber ausgelassen hat, Fallout 3 wäre im Vergleich zum eigenen neuen Borderlands langweilig. Die Aussage:
“Ich verstehe ja warum es Spiele wie Fallout 3 geben muss, aber ich weiß nicht – brauchen wir so etwas wirklich? Ich denke, das Spiel hätte sehr viel besser sein können, wenn es nicht nur einen Dialogstamm gegeben hätte und wenn es mehr Action bieten würde und die Shooter-Elemente besser gewesen wären.”
Die Meinung der XBOX-Front Blogger dazu:
“Aber, aber Mister Pitchford. Sollte man wirklich im Glashaus mit Steinen werfen, bevor das eigene Spiel überhaupt erschienen ist? Wir sind uns sicher, dass nach dieser Aussage wirklich jedes Magazin und jeder Spieler ganz genau hinschauen wird, was Borderlands besser bzw. schlechter macht als Fallout 3.” (Quelle: xboxfront.de)
Recht habt ihr Jungs,
so sehe ich das auch. Und daher waren meine Erwartungen an Borderlands entsprechend hoch. Die auf den Test folgende Enttäuschung allerdings auch… Denn Borderlands mit Fallout zu vergleichen, ist ungefähr so, als wenn man Birnen mit Hosen vergleicht! Nun ja, auf geht’s…
Was ist Borderlands? Meiner Meinung nach ein Teil Bioshock und ein Teil Fallout, dazu ein Spritzer Multiplayer à la Lost Planet 2 oder so – das alles gut gerührt und geschüttelt… Voila, Borderlands ist fertig.
Schon beim Einstieg, einem (gefühlt) recht langen Video (welches sich auch nicht abbrechen lässt – sehr nervig!), fällt mir schlagartig das Trailer-Video zu Fallout 3 ein – auch dort ein Bus, auch dort eine Wackelpuppe. Nun ja. Dafür ist der Fallout-Einstieg deutlich besser gelungen. In Borderlands wirkt es irgendwie wie gewollt lustig – aber halt nicht gekonnt.
Zum Gameplay: In Borderlands gibt’s Automaten, an denen man Waffen, Medizin-Packs, Munition und Schilde kaufen kann. Das Prinzip kommt mir seltsam bekannt vor – das kenn ich doch aus… Bioshock! Da gab’s die auch in den verschiedensten Ecken.
Die Umgebung, sprich Landschaft des Planeten, verstrahlt irgendwie die selbe Atmosphäre wie Fallout 3 – doch halt, nicht ganz. Denn in Fallout ist das ganze deutlich stimmiger! Der Grafikstil ist natürlich ein ganz anderer, aber selbst dann oder gerade deswegen erscheint mir Borderlands irgendwie platt, leer, öde.
Was die Missionen betrifft, tja, was soll ich sagen… Mr. Pitchford, wenn ich mir das erlauben darf: “… brauchen wir das wirklich?…” Die Missionen laufen immer nach demselben Schema ab: Auftrag annehmen, zum Bestimmungsort laufen oder fahren, alles töten, was einem den Weg verstellt, Aufgabe erfüllen, zurück zum Anfang und Mission als “erledigt” melden.
Okay, das läuft in Fallout 3 ziemlich gleich ab, jedoch macht es da einfach mehr Spaß. Denn dort tauchen dann immer mal wieder zwischendurch Händler auf, mit denen ich reden und handeln kann. Oder ich treffe auf eine einsame Hütte und entscheide mich mal eben, dort vorbeizuschauen – und bekomme just eine weitere Mission aufgetragen. Das macht einfach viel mehr Spaß, als stupide in Borderlands an einem “schwarzen Brett” neue Missionen abzuholen. Die Grafik ist natürlich bei Fallout 3 auch eine ganz andere, allein schon deswegen macht das “durch die Gegend latschen” mehr Laune.
Und noch was ist bei Fallout anders:
Getreu dem Rollenspiel-Motto gibt’s hier nämlich die Möglichkeit Entscheidungen zu treffen, die zu den unterschiedlichsten Spiel-”Erlebnissen” führt. In einer Mission kann ich mich beispielsweise entscheiden, ob ich eine alte Atombombe zur Freude eine komischen alten Kauzes nutze, um eine Stadt in die Luft zu jagen oder es eben nicht tue.
Entscheide ich mich, die Stadt zu verschonen und dem Opa per Finger-an-die-Stirn-tippen zu zeigen, was ich von seiner Bitte halte, bekomme ich ein kleines Häuschen in der Stadt. Bei einer Händlerin kann ich mich mit allem notwendigen Zeugs eindecken, was ich so brauche: Waffen, Munition usw. und auch persönliche Einrichtungsgegenstände für mein Häuschen, wenn ich denn will.
Erlaube ich mir hingegen den Spaß und erfülle dem Opa seinen Wunsch, bekomme ich eine Wohnung in seinem Apartment-Gebäude. Die Händlerin aus der nunmehr gesprengten Stadt finde ich dann in einer anderen Stadt wieder – total verstrahlt und entstellt, aber noch munter im Geschäft.
So etwas gibt’s in Borderlands nunmal gar nicht – hier geht alles stur nach Plan und Mission. Ist halt nur ein Shooter – mehr nicht.
Was nervt mich noch an Borderlands?
Es stehen 4 Charaktere zur Auswahl, die sich von den Fähigkeiten her unterscheiden. Je nach gewähltem Charakter startet man auch mit einer anderen Waffe. Mein erster Charakter gefiel mir nicht so ganz, also dachte ich, ich teste mal einen anderen. Also habe ich das Spiel neu gestartet – und muss noch mal die komplette Anfangssequenz über mich ergehen lassen! Leute, dass kenn ich schon, und es war schon beim ersten Mal schauen langweilig…! Nervt!
Ich kann nicht überall speichern, wo ich gerade will. Es gibt spezielle Savepoints, welche zum Glück relativ gut gestreut sind, so dass der Frustlevel noch recht gering bleibt. Jedoch… zu früh gefreut! Denn wenn man stirbt, wird nicht etwa das Spiel in dem Status geladen, der zum Zeitpunkt des letzten Speicherns aktuell war. Nein, stattdessen ist das ein “respawn”-Punkt. Alle Munition, die ich zwischenzeitlich verschossen habe, ist futsch. Erfahrungspunkte, Missionsstatus und gefundene Waffen bleiben zwar erhalten – nur was nützt mir das, wenn ich keine Munition mehr habe, um den Boss-Gegner wieder heimzusuchen und endgültig den Rest zu geben?! Natürlich kann ich mir von meinem Geld neue Munition kaufen, aber spielt den Gedanken mal weiter durch…
- einmal gestorben – respawn – Munition nachgekauft – zum Boss gelaufen – gestorben…
- zweiter respawn – Munition nachgekauft – zum Boss gelaufen – wieder gestorben…
- dritter respawn – Munition nachgekauft… – ach nee, ich hab gar kein Geld mehr…
Tja – das ist Pech. Und erzeugt Frust. Denn auch wenn ich sicher kein Shooter-Profi bin, aber ich bin auch kein blutiger Anfänger mehr. Und trotzdem muss ich mich arg bemühen, damit ich einen Endgegner im ersten Anlauf schaffe. Fazit: Nervt!
“…die Shooter-Elemente besser gewesen wären…”
Moment, Mr. Pitchford – haben Sie Fallout 3 überhaupt mal gespielt? Länger als 2-3 Stunden? Ernsthaft? Irgendwie bezweifle ich das ganz stark. Fallout ist meiner Meinung nach schon eher Shooter als Rollenspiel. Oder sagen wir mal es hält sich so in etwas 50/50 die Waage. Aber das ist natürlich auch Geschmacks- und Auslegungssache, also belassen wir’s dabei…
Worüber ich noch nichts sagen kann,
ist der Multiplayer-Part von Borderlands. Der ist von den Möglichkeiten her immerhin schon mal vorbildlich. Hier stehen XBOX-Live, Splitscreen und sogar System Link zur Verfügung, das bietet nicht jedes Spiel. Was das betrifft bin ich gespannt, wie es sich zu viert spielt. Muss ich nur noch warten bis ich drei Leute gefunden habe, die mit mir zusammen durchs Ödland des Planeten ziehen. Das könnte durchaus Laune machen, da dann die verschiedenen Fähigkeiten der Charaktere zusammenwirken. So kann z. B. einer einen Geschützturm bedienen und Deckung geben, während der andere zu Fuß in der Umgegend herumstreicht. Oder einer bewegt eines der verfügbaren Gefährte, der andere bedient das Bordgeschütz.
In diesem Bereich muss Fallout 3 passen, Multiplayer-Elemente gibt es da nicht. Das wäre mal spannend – zu zweit oder dritt durch das “Ödland der Hauptstadt” zu ziehen… Naja, vielleicht in Fallout 4?! ;o)
Letztendlich
muss natürlich jeder für sich entscheiden, ob ihm Borderlands gefällt oder nicht. Durch diese etwas arrogante Aussage von Mr. Gearbox-CEO negativ vor-beeinflusst, habe ich das Spiel allerdings von Anfang an etwas voreingenommen beäugt. Und habe selbstverständlich sehr genau mit Fallout 3 verglichen – zumal ich von letzterem ein sehr großer Fan bin.
Und mein Fazit dazu: Borderlands (im Single-Player) ist langweilig, brauchen wir so etwas wirklich?? Fallout 3 rockt!