
Alan Wake - Gruseln 2010
Seit 14.05.2010 ist Alan Wake nun auf dem Markt. Mehr als genug Zeit, um den Grusel-Konsolero durchzuspielen. Okay, zugegeben – mich hat’s so sehr an die Konsole gefesselt, dass ich das Spiel in einem Rutsch durchgezogen habe… Gesamtspielzeit: 10.5 Stunden. Soviel dazu! ![]()
Aus diesem Statement lässt sich immerhin schon einmal ablesen: Alan Wake ist spannend! Natürlich ist das längst nicht alles.
Urlaub, frische Luft, Entspannung? Von wegen!
Alan Wake ist ein Schriftsteller, der mal recht erfolgreich war. “War” wohlgemerkt, in letzter Zeit läuft’s nämlich nicht mehr so besonders und ein ordentlicher Urlaub an einem beschaulichen Plätzchen namens “Bright Falls” soll den müden Typen wieder auf Vordermann bringen. Dumm nur, dass hier jeder Alan als genialen Schriftsteller kennt. Das war’s dann wohl mit Ruhe und Entspannung. Dazu kommt, dass hier eine ganz besondere sagen wir mal “Macht” wirkt. Und irgendwie steckt Alan somit von Anfang an im Schlamassel. Denn gleich zu Beginn kommt ihm auch noch seine bessere Häfte Alice abhanden.
Zur Story sei nur soviel verraten: Ihr trefft ein Haufen schräge Gestalten und werdet viel Spaß mit ihnen haben…
Grafik & Sound
Grafisch muss ich gleich vorwegnehmen ist das Spiel nicht auf der Höhe der Zeit. Aktuelle Spiele holen derzeit deutlich mehr aus der Technik der XBOX360. Trotzdem ist Alan Wake ein Hingucker. Remedy hat es sehr gut hinbekommen, die düstere Stimmung des Spiels grafisch in Szene zu setzen. Licht und Schatten – was im Spiel eine sehr große, nein die Hauptrolle spielt – sind super aufeinander abgestimmt und hinterlassen einen guten Eindruck.
Warum dann “grafisch nicht auf der Höhe der Zeit”? Nun, mal von den Licht-/Schatteneffekten abgesehen merkt man dem Spiel die lange Entwicklungsphase echt an. Die Gesichter sehen aus, wie der quasi Standard vor 2-3 Jahren, auf Autos und andere Spielelemente trifft das genauso zu. Die Mimik ist nicht wirklich toll, zumal nicht Lippensynchron – nicht mal mit englischer Original-Sprachausgabe. Das alles tut dem Spielspaß aufgrund der insgesamt guten Atmosphäre glücklicherweise aber keinen Abbruch.
Dazu kommt, dass der Sound sehr stimmig ist. Gerade wenn Gegner auftauchen lief es mir öfter mal kalt den Rücken runter – der Sound passt einfach zu gut und erzeugt echte Gruselstimmung. Und der Soundtrack erst – da sind schon ein paar echte Perlen dabei! “Poe” mit “Haunted” z. B., “Among the Oak & Ash” mit “Shady Groove” oder auch “Barry Adamson” mit “The beaten Side of Town”.
Sprachausgabe
Ja, wenn man das denn so nennen will… Ich weiß nicht, was man den deutschen Synchronsprechern vorher in’s Glas getan hat, aber irgendwas muss es gewesen sein! Anders kann ich mir nicht erklären, dass diese so wenig in ihre Rolle eintauchen. Wer auch nur ansatzweise Englisch versteht, sollte meiner Meinung nach vor dem Start des Spiels die Konsole auf Englisch umstellen! Testet’s aus – ich finde der Unterschied ist gravierend. Schade, dass Remedy es hier nicht geschafft hat über den langen Entwicklungszeitraum hinweg wenigstens ordentliche Synchronsprecher zu engagieren.
Andere Spiele machen das deutlich besser vor: “Mass Effect 2” z. B. setzt hier Maßstäbe, von denen man nicht so schnell wieder wegkommt, wenn man erst einmal bemerkt hat, wie professionell die Sprecher sind.
Im englischen Originalton zumindest ist das ganze schon deutlich stimmiger, auch wenn die Gesichter in den Videosequenzen wie erwähnt selbst dann nicht Lippensynchron animiert sind. Aber egal, darum geht’s ja auch im Spiel nicht.
Gameplay
Das gesamte “Feeling” im Spiel ist ein wenig anders als “die Regel”. Immer wieder gibt es Sprünge im zeitlichen Ablauf, was die Story ein wenig zerreißt – so zumindest mein Gefühl dabei. Mal was anderes ist z. B. aber auch, dass die einzelnen Episoden im Spiel unterteilt sind durch Rückblenden. Hat man einen Abschnitt geschafft, gibt’s einen Cliffhanger “Previously on Alan Wake…”, der noch einmal kurz zusammenfasst, was im vorherigen Abschnitt geschehen ist. Das ist ganz praktisch, um den Spielverlauf wieder im Sinn zu haben, wenn man nach einer längeren Pause den nächsten Abschnitt spielt. Netterweise kann man diese Videosequenzen auch überspringen – für alle die, die wie ich das Spiel einfach mal eben durch-”suchten” wollen
Schließlich sollte man noch wissen, was man in der letzten Stunde so hinter sich gebracht hat…
Was dem Spiel seine Besonderheit gibt, ist das Zusammenspiel aus Licht und Dunkel. Einfach Regel: Licht bekämpft Dunkelheit! Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen, was dem Gruseler eine ganz eigene Spielmechanik verpasst. In anderen Games rüstet man seine Waffe auf – Alan Wake braucht einfach nur eine größere Taschenlampe, so einfach ist das. Richtig Spaß macht es dann, wenn man in ein Auto steigt und das Fernlicht einschaltet ![]()
Ein paar witzige Szenen sind übrigens auch dabei. Ob es nun Alan’s Freund Barry ist, der ihn aufzieht oder eine Szene in der man auf einer Farm eine Bühnenshow nutzt, um den “Monstern” einzuheizen – zum Schmunzeln ist es allemal.
Da Alan Schriftsteller ist, passt es ganz gut, dass überall im Spiel Manuskript-Seiten verstreut liegen. Diese haben es aber in sich, wie Alan im Laufe der Handlung merkt. Also immer fleißig Seiten sammeln – das gibt den Episoden mehr Tiefe und Hintergrund. Es gibt da auch immer mal wieder eine Thermoskanne mit Kaffe, die man einsammeln kann… Wofür, das ist die Frage – einen Bezug im Spiel gibt es nicht wirklich. Und Alan sieht trotz Kaffee in den Zwischensequenzen immer gleich aus: verschlafen, wie auf Drogen. Naja, bei so viel Grusel- und Horrorgeschichten, die er durchmacht, werd ich ihm das nachsehen…
Einen ganz guten Spiel-Eindruck vermittelt dieses Video – hier wird auch noch was zur Steuerung gesagt.
Alan Wake - Review in Deutsch
Übrigens hier das ganze noch in Englisch zum Vergleich der extrem schlechten deutschen Sprachausgabe…
Alan Wake Gameplay HD in Englisch
Gesamteindruck
Offen gestanden ist es mir lange nicht so schwer gefallen, mich bei einem Spiel auf eine Wertung festzulegen… Einerseits ist Alan Wake spannend, gruselig, stimmig, halt einfach irgendwie klasse. Andererseits… ist es aber auch nichts wirklich Besonderes. Dazu kommt die dann doch eher in Richtung “mittelmäßig” tendierende Grafik, die Story reißt einen nun auch nicht sooo extrem vom Hocker und die deutsche Sprachausgabe vermießt einem das Spiel dann noch komplett.
Die Lorbeeren, die verschiedenste Spielemagazine oder auch Webseiten dem Spiel gegeben haben, sind mir nicht so ganz klar. Ja sicher macht das Spiel Spaß. Ja, es kommt Gruselstimmung auf, ja, ja, ja… Aber bei einem Spiel, was so sehr vorab gehypt wurde – irgendwie hatte ich halt mehr erwartet.
Vermutlich hätte ich mehr Spaß am Spiel gehabt, wenn ich die sämtlichen Vorabberichte und Hype-Texte nicht gelesen hätte. Wieder mal selber schuld! Memo an mich selbst: xboxfront.de-Verbot auf die nächsten 2 Jahre ausweiten!